Impuls 366. Krankenquote senken: 4 Tipps für Führungskräfte

Die Motivation und Mitarbeitergesundheit in den Blick zu nehmen, ist der erste Hebel, um die Produktivität im Team zu steigern. So geht’s.
Bist Du auch immer wieder genervt, wenn sich jemand bei Dir im Team krank meldet? Ich hab zwar nur einen festangestellten Mitarbeiter, aber ich finde das ätzend, wenn es auch sehr selten passiert. So viele To-dos hätten an diesem Tag vorangebracht werden können! Aber Jammern bringt natürlich gar nichts im Moment der Krankheit.
Was kannst Du tun – und ich auch –, um Krankmeldungen grundsätzlich zu reduzieren? In diesem Blog erhältst Du 5 konkrete Tipps für mehr Gesundheit und Produktivität in Deinem Team.
Gedanke 1
Niemand ist gern krank. Auch niemand in Deinem Team. Ergo: Dein Team und Du, ihr seid grundsätzlich auf derselben Seite. Eine Top-Bedingungen für weniger Krankheit und mehr Gesundheit.
Gedanke 2
Was sind die Hauptursachen für Krankmeldungen?
- Lebensstil bzw. Regeneration und Erholung
- Infektionen oder körperliche Erkrankungen
- Belastung und Stress
- Arbeitsbedingungen und die Führung unserer Führungskraft, die wir täglich im Job erleben
Ich bin überzeugt: Wenn wir es geschickt anstellen, dann können wir als Führungskraft tatsächlich auf alle genannten Faktoren Einfluss nehmen. Nicht direkt, aber wir können Einfluss nehmen. Vor allem wenn wir Hand in Hand arbeiten mit unserem Team.
Tipp eins: Du, die Führungskraft und Dein Vorbild
Wir schauen uns an: Deine Arbeitszeiten, Dein Pausenverhalten und Dein Neinsagen. Um unsere Herausforderungen im Job dauerhaft gut zu bewältigen, brauchen wir ausreichend Erholung. Doch viele Mitarbeitende haben nicht einmal zwölf Stunden Pause zwischen der letzten beruflichen Aktivität am Abend und der ersten am nächsten Morgen.
Vorbild Arbeitszeit
Frage an Dich: Welches Vorbild gibst Du ab, wenn Du regelmäßig um 21 oder 22 Uhr, am Wochenende oder im Urlaub E-Mails schreibst? Klar, jeder Mitarbeiter trifft seine eigene Entscheidung, ob er dieses Verhalten kopiert. Aber noch mal die Frage: Welches Vorbild gibst Du für Dein Team mit einem solchen Verhalten?
Ich sage nicht, dass solche Arbeitszeiten falsch sind. In dieser Episode geht es aber um mehr Gesundheit. Und dauerhafte Anspannung und Stress schwächt die Widerstandskraft und erhöht das Risiko, gesundheitlich auszufallen.
Vorbild Pausen
In meinen Einzelcoachings begegne ich immer wieder sehr ehrgeizigen Führungskräften, denen es schwerfällt, abends abzuschalten. Oder die sich abends sehr ausgelaugt fühlen. Der Grund: Sie machen fast keine Pausen. Ehrgeiz ist großartig. Private Freude und gute Beziehungen sind es aber auch. Ich selbst habe für meinen Ehrgeiz einen hohen Preis gezahlt: Meine große Arbeitsmenge hat über Jahre vor allem meine persönlichen Beziehungen belastet. Sowohl meine Partnerschaft als auch Freundschaften. Für mich gilt: Der berufliche Erfolg ist diesen Preis nicht wert.
Und: Wer Pausen auslässt, verliert an Konzentration, macht mehr Fehler und ist abends erschöpfter.
Vorbild Neinsagen
Was für ein Vorbild bist Du, wenn Du immer Ja sagst? Neinsagen und Loslassen gehören zu den wichtigsten Aufgaben im Arbeitsalltag. Das ist vermutlich auch einer der Gründe, warum mein Buch „Loslassen für Führungskräfte“ als Trainerbuch des Jahres ausgezeichnet worden ist.
Nur wenn wir weniger wichtigen Aufgaben eine Absage erteilen, können wir unsere Prioritäten mit guter Energie und voller Konzentration zu einem erfolgreichen Abschluss bringen.
Tipp zwei: Heldenkultur und unproduktive Anwesenheit
Natürlich können wir nach einer langen durchzechten Nacht mit nur 5 Stunden Schlaf halb-komatös ins Büro kommen. Drei, vier Energy-Drinks im Laufe des Tages, und der Arbeitstag ist geschafft! Aber: Mehr Raubbau am Körper geht kaum. Kürzlich hatte ich eine Führungskraft im Training, die von ihrem Mitarbeiter erzählte, der täglich drei bis fünf Energy-Drinks trinkt. Jetzt könnten wir sagen, das ist Privatsache. Ist es auch. Aber wir Führungskräfte haben auch eine Fürsorgepflicht. Außerdem stellt sich die Frage: „Wie konzentriert und leistungsfähig ist ein Mitarbeiter, wenn er drei bis vier „Red Bull“ braucht, um den Tag durchzustehen?“
Was glaubst Du: Bringt ein Mitarbeiter nach einer kurzen Nacht – mit oder ohne „Red Bull“ – 100 Prozent Leistung? Tust Du es? Ich nicht.
Weitere vermeintlich heldenhafte Verhalten sind im Urlaub arbeiten, nachts und am Wochenende arbeiten oder halbkrank zur Arbeit kommen. Ich habe schon oft Mitarbeitenden Bettruhe verordnet, die sich zur Arbeit geschleppt haben. Ich sag dann glasklar: „Mach gern die zwei oder drei wichtigsten Sachen. Ich weiß Dein Engagement zu schätzen. Und dann leg Dich bitte ins Bett, trink viel Tee und schlaf Dich aus.“
In diesem Blog-Beitrag geht es um Gesundheit und ein ausgeglichenes Leben. Wenn einem Karriere und Leistung über alles geht, dann ergibt dieses heldenhaften Verhalten Sinn. Meine persönliche Erfahrung: Wenn eine Ehe und Kinder im Spiel sind, steht einer Scheidung umso weniger im Weg, je heldenhafter das Verhalten für das Unternehmen ist. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Ich wollte es auch nie wahrhaben. Aber weniger gemeinsame Zeit in einer Beziehung bedeutet automatisch weniger Qualität in der Beziehung. Überlege Dir daher bewusst, wie Du es gern hättest.
Wenn Dir Gesundheit wichtig ist: Sprich mit diesem vermeintlichen Helden in deinem Team. Nutz gern den Satz „Ich mache mir Sorgen. Ich sehe, dass Du sehr müde und schlapp bei der Arbeit bist. Dass Du Energy-Drinks brauchst, um überhaupt arbeiten zu können. Deshalb möchte ich mit Dir über Dich Deine Arbeit, Deine Fitness und auch deine Erholung besprechen.“
Kein Vorwurf. Keine Kritik. Sondern Fürsorge. Am Ende entscheidet Dein Mitarbeiter. Aber Du sendest ein gutes Signal für mehr Gesundheit.
Meine Empfehlung als Ergebnis eines solchen Gesprächs: Nicht nur sagen: „Denk mal drüber nach.“ Besser wäre: Einen Folgetermin für in einer Woche mit Datum und Uhrzeit im Kalender vereinbaren. Das ist verbindlich. Und fürsorglich. Der Mitarbeiter merkt, dass Dir seine Gesundheit am Herzen liegt. Du machst keinen Druck, aber regst klar zur Reflexion an.
Und wenn Dein Mitarbeiter viele Überstunden macht, mehr als Du für gesund hältst, dann vereinbare doch zum Beispiel, dass er ab sofort an einem Tag pro Woche nach 8 Stunden nach Hause geht und auch abends nichts mehr für die Arbeit macht.
Das ist Fürsorge. Eine kleine Geste mit großer Wirkung: Eine meiner Coachees hat das vor einiger Zeit mehrmals gemacht. Sie hat immer wieder fleißige Mitarbeitende mit vielen Überstunden nach Hause geschickt. Das Ergebnis: Ihre Mitarbeitenden lieben ihre Chefin und engagieren sich auch weiterhin in ihrem Team, weil sich ihre Führungskraft um sie kümmert.
Tipp drei: Stress und Hürden aus dem Weg räumen
Kennst Du die Geschichte von dem kleinen Mädchen, das ihre Mutter fragt, warum sie die Bratwürste immer erst in der Mitte quer durchschneidet und sie erst dann in der Pfanne brät. Die Mutter sagt: „Tja, das hab ich von Oma gelernt.“ Das Mädchen fragt also ihre Großmutter. Aber die sagt nur, sie habe das von ihrer Mutter gelernt. Also wird das Mädchen kurz darauf von ihrer Uroma aufgeklärt: „Ganz einfach, liebe Hilde, früher passten die Bratwürste nur so in die Pfanne, weil unsere einzige Pfanne so klein war.
Auch in Unternehmen gibt es unnötige Regeln oder Prozesse. Sie nerven und erhöhen das Stresslevel der Mitarbeitenden: Deshalb gibt es ‚kill a stupid rule‘? Viele Regeln, Prozesse oder Abläufe sind historisch gewachsen. Irgendwann haben diese für jemanden Sinn ergeben. Nicht immer ist das heute auch noch so. Also ermuntere Dein Team, Prozesse oder Meetings vorzuschlagen, die überflüssig sind oder so keinen Sinn mehr ergeben. Dabei gilt: Der Vorschlag muss eine konkrete neue Lösung beinhalten und von einer zweiten Kollegin mitgetragen werden.
Als Ergebnis können Meetings abgeschafft oder gekürzt werden. Oder die Teilnehmerzahl wird bei ganz oder bei bestimmten Agendapunkten reduziert.
Und auf individueller Ebene kannst Du inspiriert durch ‚kill a stupid rule‘ Deine Mitarbeitenden animieren, Dinge zu vereinfachen oder wegzulassen, wenn sie wenig zum Ergebnis beitragen. Nein sagen ist – wie schon in dieser Episode erwähnt – eine der Top-Fähigkeiten, um dafür zu sorgen, dass wir die wirklich wichtigen Ergebnisse erreichen.
Tipp vier: Krankenrückkehrgespräche führen
Führe sogenannte Krankenrückkehrgespräche. Finde in einem Krankenrückkehrgespräch am ersten Tag nach einer Krankheit heraus, ob Deine Mitarbeitenden wieder voll einsatzfähig sind und ob die Krankheit evtl. durch berufliche Umstände zustande gekommen ist. Oder wie die Krankheit beeinflussbar sein könnte.
Diese Gespräche sind herausfordernd, weil nicht der Eindruck entstehen soll, dass Du Deinem Mitarbeiter blau machen vorwirfst. Gute Krankenrückkehrgespräche erhöhen das Bewusstsein, mit der eigenen Gesundheit behutsam umzugehen.
Wenn Du genauer erfahren möchtest, wie Du diese Gespräche einfühlsam und gleichzeitig klar führst – auch bei von Dir vermutetem Blaumachen, da Mitarbeitende häufig montags oder freitags krank sind –, dann lade ich Dich ein:
Am Mittwoch, den 23. September 2026 von 18:00 bis 19:15 Uhr zu meinem kostenfreien Live-Online-Training „Krankenquote senken – Gesundheit und Produktivität hoch – 7 konkrete Tipps“. Hier kostenfrei anmelden.
Du erfährst zusätzlich zu den Tipps in diesem Blog sieben weitere Tipps, um die Krankentage in Deinem Team zu senken. Es geht dabei unter anderem darum, dass Du gemeinsam mit Deinem Team die Krankenquote senkst. Ich bin überzeugt, dass diese Tipps in jedem Team die Krankenquote senken werden.
Ich wünsche Dir viel Gesundheit in Deinem Team, viel Freude bei Deiner täglichen Arbeit und exzellente Ergebnisse!
Dein Markus Jotzo



