Impuls 208: Digital Leadership – Gestalten Sie selbst? Oder reagieren Sie nur?

Digitalisierung heißt vor allem Change. Wandel. Veränderung.

Denn die Märkte entwickeln sich so rasch wie nie zuvor.

 

Wie funktionieren diese Veränderungen eigentlich?

Im BWL-Studium lernte ich damals den österreichischen Nationalökonom Joseph Schumpeter kennen. Wir haben damals Witze gemacht „Schumpeter lebt“. Der schumpeter’sche Geist kommt seit Jahrhunderten zum Tragen. Schumpeter schuf damals die Formulierung der „schöpferischen Zerstörung“. Technischer Fortschritt und Innovationen gehen einher mit der Zerstörung von alten, nicht mehr zeitgemäßen Strukturen.

 

Denn was passiert in den letzten 10-20 Jahren? Während wir früher auf Verdrängung von direkten Wettbewerbern aufpassen mussten, kommen inzwischen die Veränderungen von überall.

 

Die prominentesten Entwicklungen:

– Airbnb. Airbnb nimmt der Hotellerie jedes Jahr Millionen und Millionen von Übernachtungen weg.
– Uber. Kein Taxi-Unternehmen.
– Die Elektroautos der Post! Hat die Post selbst entwickelt und gebaut, da die Automobilhersteller nicht schnell und flexibel genug waren.

 

Das ist zwar inzwischen selbstverständlich, hätte aber vor 20 Jahren niemand für möglich gehalten.

Nun könnten wir ja lamentieren, wie hilflos wir alle sind. Denn in der Tat, auf diese großen Veränderungen haben wir wenig Einfluss.
Nicht jede Führungskraft ist ja Unternehmer oder Geschäftsführer, die selbst Entscheidungen von solch großer Tragweite treffen könnte.

 

Doch auch ohne eigene Entscheidungen sind Sie mittendrin in Veränderungen.
Die Anforderungen anderer Abteilungen verändern sich. 
Strukturen verändern sich. 
Die Bedürfnisse Ihrer externen Kunden verändern sich.

 

Die Frage für Sie als Führungskraft lautet:

„Was gestalten Sie?“

 

Jetzt sagen viele Führungskräfte: „Ich bin froh, wenn ich mit wenig Überstunden einigermaßen über die Runden komme. Was soll ich da noch gestalten?“

 

Die drei größten Herausforderungen einer Führungskraft

  1. Gute Mitarbeiter halten. Was tun Sie als Führungskraft, um Ihre Mitarbeiter an sich zu binden? Was tun Sie, um Ihre Mitarbeiter davon abzuhalten, ein attraktives Angebot eines anderen Unternehmens anzunehmen?
  2. Rahmenbedingungen erschaffen, in denen sich Ihre Mitarbeiter gern mit voller Energie einbringen. Dazu gehört auch, Ihre Mitarbeiter dazu bringen, die Herausforderungen des Change anzunehmen.
  3. Gute Mitarbeiter finden. Auch das ist nicht nur Aufgabe Ihrer Personalabteilung. Was ist Ihr persönlicher Beitrag, um Ihr Team und Ihren Bereich attraktiv zu machen: Für Bewerber, die sich von außerhalb Ihres Unternehmens vorstellen. Und für potenzielle Bewerber von innerhalb Ihres Unternehmens? 

 

Was tun Sie da?

In den bisherigen Impulsen, insbesondere von den Digital-Leadership-Episoden ab Impuls 204 haben sie dafür Sie für diese drei Herausforderungen konkrete Umsetzungs-Tipps erhalten.

 

Ihre Einstellung entscheidet

Entscheidend sind Sie aber zunächst, nicht die Methoden, sondern Ihr Mindset, Ihre Einstellung.

 

Nehmen Sie die Herausforderung Ihre Mitarbeiter zu führen an oder nerven Ihre Mitarbeiter Sie nur mit den ständigen Fragen und nochmals Fragen.
Wenn Sie Führungskraft sein wollen, dann gehört dazu, Ihre Mitarbeiter führen zu wollen. Sie anleiten zu wollen. Sie besser machen zu wollen. Das erledigt nicht die monatliche Gehaltsüberweisung für Sie.

 

Investieren Sie Zeit und Muße in sorgfältige Mitarbeiterführung

Übernehmen Sie Verantwortung für die Stimmung in Ihrem Team. Sie sind die Führungskraft. Sie sind die Vertretung des Unternehmens aus Sicht Ihrer Mitarbeiter. Also gestalten Sie ein Umfeld, in dem Ihre Mitarbeiter sich gern jeden Tag einbringen und reinknien.

 

Stoßen Sie Veränderungen auch selbst an oder reagieren Sie nur auf die Veränderungsanstöße der anderen?

 

Nun will ich Sie nicht überfordern. 
Wenn Sie einen exzellenten Job bei den 3 oben genannten Herausforderungen machen, dann wären Sie für mich schon in den Top 10 der Führungskräfte.
Und genau das ist Ihr Job. Wenn Sie es nicht machen, dann mag Ihr Chef das vielleicht nicht kritisieren, da er es selbst nicht anders macht.

Aber das ist keine Entschuldigung.

 

Was konkret können Sie tun?

Egal, was Sie anpacken möchten:

Ob Sie Ihre Führungsarbeit mit Ihren Mitarbeitern optimieren oder ob Sie inhaltlich, strukturell gestalten oder sogar schon gestalten müssen, weil Ihnen Ihre Chefs die Pistole auf die Brust setzen.

 

Sie benötigen einen klaren Kopf und gute Ideen

Wenn ich Führungskräfte in meinen Vorträgen frage:

Wer von Ihnen hat ausreichend Zeit für konzentriertes Nachdenken, für regelmäßiges konzeptionelles, strategisches Denken.
Dann melden sich von 100 Führungskräften meistens nur 1-2 Personen, manchmal weniger, selten sind es mehr mit vielleicht 20 von 100

 

Selbst gestalten können Sie aber nur, wenn Sie genau diese Denkzeit haben und regelmäßig nutzen.
Was sind Ihre Denk-Inseln?
Wie oft ziehen Sie sich von der Hektik des Tagesgeschäfts zurück und lassen Ihren Gedanken freien Lauf?

 

Zwei Bücher als Empfehlung dafür:

  1. Natürlich mein Buch Loslassen für Führungskräfte, dass Ihnen Loslassen, Zeit für Strategie, Delegation und Entwicklung Ihrer Mitarbeiter nahe bringt.
  2. Deep Work von Cal Newport, der tiefes konzentriertes Arbeiten als Quelle hohen Outputs beschwört.

 

Eine gute Basis als Daumengröße

1 Stunde pro Woche.
2-4 Stunden pro Monat.
1 Tag pro Jahr.

 

Diese Menge an Zeit nehmen sich 75% aller Führungskräfte nicht.

Wie ist das bei Ihnen?

 

Falls Sie diese Regelmäßigkeit noch nicht haben, dann blocken Sie diesen Zeitrahmen jetzt Ihrem Kalender mit sich selbst. Ohne E-Mail, ohne Handy ohne Unterbrechungen.

 

Störungen sind normal

„Was soll ich machen?“ sagte diese Woche eine Führungskraft im Führungskräfte-Training  
„Mein Büro hat eine große Glaswand. Jeder sieht, wenn ich im Büro bin. Dauernd werde ich rausgerissen und gestört.“

 

Gestalten Sie oder reagieren Sie nur?

 

Wo ein Wille ist, ist ein Weg….
Ein Cafe auf dem Weg zur Arbeit. 
Ein Besprechungszimmer.
Feste Sprechzeiten oder eine tägliche feste Zeit für Ihr ruhiges, konzentriertes Arbeiten.
Das ist alles eine Frage Ihrer Organisation und Ihrer Führung.

 

Bei mir ist es die Küche 

Mehrmals pro Woche setze ich mich an den Küchentisch für eine einzige Aufgabe, die ich dann konzentriert bearbeite.
Und dann sitze ich immer wieder im ICE auf dem Weg zu meinen Kunden und denke nach.
Handy im Flugmodus. WLAN aus.
Oder heute morgen im Bett mit Stift und Papier. Der Ort ist letztendlich egal. 
Entscheidend ist Ihre Einstellung.

 

Routinen schaffen regelmäßige Erfolge

Was sind Ihre Routinen, die ihnen regelmäßiges kluges Denken, Phasen der Deep Work, des hochkonzentrierten Arbeitens erschaffen?
Dies ist die Basis für Ihren Erfolg als Führungskraft.
Und wenn Sie mehr zum Thema Fokus benötigen, dann lesen Sie den Impuls 184 meines Blogs: Was heißt k o n s e q u e n t Prioritäten setzen?

 

Kennen Sie Columbo?
Ich habe noch so einen Nachsatz zu diesem Impuls, der vielleicht der wichtigste überhaupt ist.
Am Anfang ist es schwierig. Wir wissen nicht, wie es geht. Aber dann wird es immer besser und besser. Mein erster Podcast war schwer. Alles einrichten, Sprecher finden, Musiker finden, Techniker finden.
Aber inzwischen habe ich einen Riesenspaß dabei. Jedesmal? Nein, nicht jedes Mal. Aber jedes Mal, wenn ich schreibe, so wie dieser Gedanke jetzt gerade… dann liebe ich es. Aber dafür musste ich durch eine zähe Phase hindurch.

 

Das beste kommt am Schluss

Und ein zweiter Columbo-Gedanke zum Schluss.
Sie können „Gestalten“ als weiteren Todo ansehen, der anstrengend ist. Sie können aber auch entdecken, dass es wahnsinnig viel Spaß und Freude macht zu gestalten. Sie sind doch Führungskraft. Wollen Sie gestalten? Wollen Sie führen? Oder wollen Sie nur den Titel? Wenn Sie nur den Titel wollen, dann gehen Sie wieder eine Stufe zurück und lassen jemanden ran, der wirklich führen will – mit allen Konsequenzen.

Wenn Sie Führungskraft sein wollen, dann genießen Sie es zu gestalten. Dann nehmen Sie die Herausforderung an. Kriechen Sie aus dem Sumpf von „ich muss noch“ hinaus die Freiheit des „ich möchte noch“.

 

Sammeln Sie dafür klare Gedanken, was Sie wollen.

Und dann priorisieren Sie. Mit Leidenschaft. Mit Genuss. Mit temporären Rückschlägen. Und immer wieder mit viel Erfolg!

Ihr Markus Jotzo

 

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