Impuls 194: Jogi Löw muss weg

Jogi Löw hat sich verdient gemacht – um den deutschen Fußball und die deutsche Nationalmannschaft. Viele Jahre hat er uns erfolgreich ins Halbfinale und auch zum Titel der Weltmeisterschaft geführt. Super genial! Als Fan der deutschen Nationalmannschaft bin ich ihm persönlich dafür dankbar.

Aber jetzt… muss er weg!

Warum?

Ein Beispiel:
Stellen Sie sich vor Sie lesen ein super-spannendes Buch zum Thema Persönlichkeitsentwicklung. Das Buch bringt Sie weiter. Sie denken lange darüber nach. Vielleicht verändern Sie die eine oder andere Perspektive im Leben und denken und handeln zukünftig anders. Immer wieder denken Sie daran, probieren die Inhalte aus und werden dadurch sicherer oder besser in Ihrem täglichen Tun.

 

Wer liest schon ein Buch fünf Mal?

Dieses Buch ist für eine gewisse Zeit für Sie sehr, sehr wertvoll. Es bringt Sie weiter im Leben. Es macht Sie besser. Irgendwann sind Sie auf einem höheren Niveau angelangt und das Buch hilft Ihnen nicht mehr weiter. Sie brauchen neuen Input und neues Futter für Ihre Gedanken, Ihren Kopf, Ihre Phantasie und Kreativität. Sie verschenken das Buch dann vielleicht oder legen es einfach weg. Das Buch nützt Ihnen zwar noch was, weil das Wissen daraus Sie unbewusst oder auch bewusst weiterhin erfolgreich macht. Doch zur Hand nehmen Sie es nicht mehr. Wieso auch? Das brauchen Sie nicht. Sie sind auf einem höheren Niveau und brauchen andere Inspirationen.

Das gleiche trifft aktuell auf die deutsche Nationalmannschaft zu. Die Spieler sind satt. Die Spieler sind nicht mehr motiviert, wirklich alles zu geben. Sie sind nicht mehr mutig, nicht mehr forsch und werden unsicher. Und der Input von Jogi Löw im letzten Jahr hat das nicht mehr verändern können.

 

Für eine andere Mannschaft ist er bestimmt bestens geeignet

Was brauchen die Spieler? Neues Futter, neue Inspirationen, neue Kreativität und neue Gedanken. Jogi Löw kann das nicht leisten. Für ein anderes Team ist er bestimmt eine hervorragende Wahl. So wie das ausgelesene Buch für andere Menschen ein genialer Tipp ist und sie weiterbringen kann, so kann auch Jogi Löw eine andere Mannschaft zu neuen Höchstleistungen bringen. Aber nicht mehr die deutsche Nationalmannschaft.

Alte Zöpfe schneidet am Besten eine neue Führungskraft – ein neuer Trainer – ab. Eine alte Führungskraft wird immer wieder Schwierigkeiten haben, sich von den Dingen zu trennen, die sie selbst eingeführt hat, auch wenn diese in dem heutigen Marktumfeld nicht mehr so wirksam sind. Ein neuer Bundestrainer würde mit einem frischen Blick und frischen Ideen an die Sache herangehen und sich viel eher von alten und nachweislich nicht mehr funktionierenden Dingen trennen.

 

Größe zeigen und nicht an alten Zöpfen festhalten

Ein weiteres Beispiel:
Der schweizer Fußballtrainer Lucien Favre übernahm im Februar 2011 das Team von Borussia Mönchengladbach – zu einem Zeitpunkt als jeder die Mannschaft bereits abgeschrieben hatte. Borussia Mönchengladbach war schon etliche Spieltage auf dem letzten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga. Lucien Favre machte in einer fantastischen Schlussphase dieser Bundesliga-Saison den Klassenerhalt möglich. In den nächsten Jahren führte er Borussia Mönchengladbach auf den dritten Tabellenplatz, in die Champions League und in die Europa League.

Doch nach vier Jahren verlor Borussia Mönchengladbach die ersten sechs Bundesliga-Spiele und stand unter Lucien Favre mit Null Punkten wieder am Ende der Tabelle. Als schlauer Denker bot Lucien Favre dem Verein seinen Rücktritt an. Dieser Rücktritt wurde abgelehnt. Daraufhin erklärte Lucien Favre selbst seinen sofortigen Rücktritt.

Was passierte nun mit Borussia Mönchengladbach nach dem Weggang dieses fabelhaften Trainers, der die Mannschaft fast in altbekannte Sphären aus den 70er Jahren zurückgeführt hatte? Die Mannschaft gewann die sechs nächsten Pflichtspiele – alle! Sie schloss unter ihrem neuen Trainer die Bundesliga-Saison wieder mit einem hervorragenden vierten Platz ab.

 

Neue Besen kehren gut

Wie ist das möglich? Mit dem Rücktritt von Lucien Favre war der Druck auf die Spieler der Mannschaft genommen. Es war klar: Mit seinem Rücktritt nahm Lucien Favre die Verantwortung für die verlorenen ersten sechs Pflichtspiele der Bundesliga-Saison auf sich.
Als Folge spielten die – natürlich immer noch kompetenten – Spieler, die unter ihrem vorherigen Trainer viel gelernt hatten, locker auf und gewannen Spiel um Spiel.

Das Gleiche könnte auch mit der deutschen Nationalmannschaft passieren. Der Kader der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM 2018 war der teuerste der gesamten Weltmeisterschaft – in Transfersummen gerechnet. Das nutzte ihr bekannterweise wenig. Es ist Zeit für einen Neuanfang – einen Neuanfang ohne Jogi Löw, stattdessen mit einem frischen gut kehrenden neuen Besen.

PS:
Und wenn Jogi Löw tatsächlich bleibt (wonach es seit gestern Abend aussieht)? Dann hoffe ich, dass ich Unrecht haben werde und Jogi mit der Mannschaft wieder brilliert!

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