Impuls 179: Das Vertrauen, sich verletzlich zu zeigen

Sie kennen das nur zu gut: 
Ein Kollege macht einen Fehler, den auch die meisten Kollegen mit bekommen. Aber gesteht er seinen Fehler auch offen ein?
Ihr Chef erwähnt unnötigerweise Ihr gescheitertes Projekt vom letzten Jahr in einem Nebensatz im Meeting. Aber entschuldigt er sich dafür bei Ihnen oder suchen Sie deswegen das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten?
Im Team knirscht es gewaltig. Zwei Kollegen sind sich spinnefeind. Doch fordern die beiden Beteiligten oder die – ebenfalls betroffenen – Kollegen eine nachhaltige Lösung ein?

Manchmal funktioniert das. Da sind – wie eigentlich immer im Beruf – Emotionen im Spiel und wir sprechen diese konkret an und lösen den Fall.
Aber was passiert meistens?
Wir bleiben auf der Sachebene. Wir sind ja Profis, nicht wahr? 
„Immer schön sachlich bleiben“ höre ich immer wieder im Seminar mit Führungskräften. 
Wer bringt den Leuten das nur bei? 

 

Flickschusterei an der Oberfläche

Wir kratzen bei einem Thema an der Oberfläche, besprechen kurz das Problem und denken dann „Nun muss es doch weitergehen!“. Schließlich haben wir viel zu tun. Bis zur nächsten Eskalation.
Tief in uns drinnen wissen wir, dass das nur Flickschusterei ist.
Tief in uns drinnen möchten wir das gern auflösen und entspannt zur Arbeit kommen, um das zu tun, wofür wir bezahlt werden.

Doch das fällt vielen immer wieder schwer. Allein, es fehlen die Instrumente, die notwendigen Gespräche zu führen.
Noch schlimmer, vielen fehlt die Überzeugung, der Mindset, überhaupt zu handeln. 
Und das ist für mich das Entscheidende: Wenn wir den richtigen Mindset haben, dann können wir Themen gut anpacken und lösen. 
Ok, manchmal sind ein paar Techniken ebenso wertvoll.
Schritt eins muss es aber sein, die richtige Einstellung zu haben.
Wir sind emotionale Wesen. Wie können wir da annehmen, unsere Gefühle beim Pförtner abgeben zu können und gleichzeitig einen sehr guten Job zu machen?

 

Warum es gar nicht anders geht

Die klassischen Konflikte in Unternehmen speisen sich aus Vorurteilen, Unwissen, nicht stattfindender Kommunikation, falschen Annahmen und dadurch verletzten Gefühlen. In den allermeisten Fällen verletzen wir die Gefühle unserer Kollegen und Mitarbeiter nicht absichtlich, doch es passiert.
Was können Sie tun? Können Sie auf der Sachebene bleiben und damit den Konflikt inklusive der verletzten Gefühle nachhaltig lösen?
Natürlich nicht.
Eine Konfliktlösung ist nur möglich, wenn wir 
1. Sie sich in die Lage des Anderen versetzen und 
2. dann über die verletzten Gefühle sprechen. Nur so geht das.
Anderenfalls bleibt ein Rest, der Sie dann beim nächsten Missverständnis noch schneller explodieren lässt.

 

Ein High Performing Team

Höchstleistungen sind dann möglich, wenn Sie und Ihre Kollegen oder Teammitglieder barrierefrei denken und agieren. Wenn Sie Konflikte und Missverständnisse – ob klein oder groß – regelmäßig ansprechen und nachhaltig klären.

Dazu braucht es Mitarbeiter, die in der Lage sind, über ihre Emotionen zu sprechen.
Dazu braucht es Mitarbeiter, die in der Lage sind, auch mal die Klappe zu halten, Fragen zu stellen und hinzuhören, was die Anderen auf dem Herzen haben – ohne gleich zurückzuschlagen.
Ach ja, und es braucht dazu Mitarbeiter und Führungskräfte, die bereit sind, gegen die üblichen Konventionen zu verstoßen und Dinge zu tun, die sonst nicht üblich sind.

Was wollen Sie? Ein High Performing Team und Freude bei der Arbeit? Dann leben Sie das selbst vor und stoßen Sie an, dass Ihr Team und Ihre Kollegen offen alle wichtigen – auch emotionalen – Themen ansprechen.
Genießen Sie Ihre Arbeit und Ihre Erfolge – jeden Tag!

Herzlich,
Ihr Markus Jotzo

One thought on “Impuls 179: Das Vertrauen, sich verletzlich zu zeigen

  • Von Brigitte Bürk - Reply

    Hallo Markus,
    ein toller Artikel. Ich teile deine Meinung komplett und stelle dein hier beschriebenes Verhalten leider auch sehr häufig im Alltag fest. Ich denke aber, dass man eine ganz große Portion Mut und Selbstbewusstsein benötigt, um das zu ändern. Und das fehlt leider vielen.
    Liebe Grüße
    Brigitte

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