Chef als Kumpeltyp

Impuls 141: Chef auf Messers Schneide?

„Mein Chef ist schrecklich – wenn ich an meinen Job denke, könnte ich heulen!“ Wenn Mitarbeiter so von Ihrem Chef sprechen, sind das positives Arbeitsklima und eine positive persönliche Beziehung zwischen den beiden eindeutig auf der Strecke geblieben.

Der menschliche Faktor des Führens

Von so einem „Chef-Monster“ berichtete mir ein Klient – Top-Manager bei einem mittelständischen Unternehmen. „Seine fachliche Performance als Verkaufsleiter ist Top!“ erzählt er über eine seiner Führungskräfte. „Von seinen Mitarbeitern fordert er ebenfalls Top-Leistungen. Das finde ich ja ok, aber die Stimmung in der Abteilung ist bedrückend.“

So können sich die Dinge in einer Abteilung entwickeln, wenn die Führungskraft sehr viel fordert, aber keine persönliche Beziehung zu den Mitarbeitern aufbaut. Sie wird dann als seelenloser Menschenschinder gesehen, der nur daran interessiert ist, auch noch das letzte Quentchen Energie aus seinen Mitarbeitern zu quetschen.

Mitarbeiter sind keine Roboter

Diesen Eindruck können Sie bei Ihren Mitarbeitern nur wirkungsvoll verhindern, indem Sie ein persönliches Kennenlernen möglich macht. Nun hören Sie bestimmt nicht zum ersten Mal, dass ein Chef echtes Interesse am Privatleben seiner Mitarbeiter zeigen sollte. Denn nur so wird für die Mitarbeiter sichtbar, dass er sie als Menschen sieht, nicht als Ressource oder Arbeitsroboter. Und Ihnen ist sicherlich auch geläufig, dass ein Chef den Überblick darüber haben sollte, wie es allen seinen Mitarbeitern geht, um mögliche Stressfaktoren zu kennen und bei der Aufgabenverteilung die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Das schließt Fragen ein wie: „Wie geht es Ihrem Sohn, ist er noch im Krankenhaus?“

So richtig ich diese persönliche und interessierte Art der Führung auch halte, birgt sie dennoch für manche Chefs eine Gefahr.

Der Chef ist kein Kumpel

Wenn Sie als Führungskraft bei Ihren Mitarbeitern sind, auf ihre Probleme, Wünsche und Bedürfnisse eingehen, sie nicht hängen lassen und sich für sie einsetzen, sichern Sie sich zwar ihre Loyalität und sie werden motivierter Ihre Leistungsforderungen annehmen. Auf der anderen Seite könnten Ihre Mitarbeiter Sie als Kumpeltyp wahrnehmen, was Ihre Autorität untergraben kann.

Distanz ist wichtig, damit Führungskräfte auch unangenehmere Gespräche sachlich und kontrolliert führen können. Interesse für das Privatleben der Mitarbeiter zu haben, bedeutet nicht, den Kumpeltyp heraushängen zu lassen. „Nach dem Abendessen mit dem Kunden trinken wir noch ein paar Bierchen zusammen!“ ist der falsche Weg. Und es geht auch nicht darum, wie ein guter Freund alle Details des Privatlebens zu teilen oder wie ein weiser Vater Lösungen für die privaten Probleme der Mitarbeiter zu finden.

Der Schlüssel zu einem gegenseitigem Vertrauensverhältnis ist der schmale Grat zwischen einer respektvoll interessierten aber nicht zu nahen Beziehung – der ständige Gang auf Messers Schneide sozusagen. Ein „Ich mag meinen Chef, er ist nett“, wäre zu viel des Guten. Sagen Ihre Mitarbeiter von Ihnen: „Ich schätze meinen Chef, er ist für mich da“, haben Sie den richtigen Draht gefunden.

In der Balance der beiden Rollen des Menschenfreundes und des Herausforderers, der auch mal unbequem ist, liegt die goldene Mitte – suchen Sie diese Balance mit Ihrem ganzen Herzblut und Sie sind auf dem richtigen Weg.

One thought on “Impuls 141: Chef auf Messers Schneide?

  • Von J. - Reply

    Obwohl ich glaube, dass Sie mit Ihren Aussagen grundsätzlich Recht haben, denke ich, dass es kein allgemein gültiges How- To für die perfekte Mitarbeiterführung gibt. Ich bin im Gesundheitswesen tätig und zwar in einem sehr “notfalllastigen ” Bereich. Sowohl der Teamleiter als auch der Abteilungsleiter haben ein sehr enges und freundschaftliches Verhältnis zu ihrem Team. Und ich kann Ihnen versichern, dass ist auch gut so. Gerade weil der Stresspegel und Leistungsdruck ( und da es immerhin um Menschenleben geht verdient dieser meines Erachtens ein Ausrufezeichen in diesem Zusammenhang) oft enorm hoch sind und alles Mitarbeiter an ihre Belastungsgrenze ( und darüber hinaus) gebracht werden, ist es genial Vorgesetzte zu haben die man wirklich gut kennt und auch mag. Es erleichetert das Verarbeiten mancher Situationen enorm, steigert das Verständnis für den jeweilig anderen, hilft beim ” Abschalten” und fórdert auch eine zielorientierte und regelkonforme Zusammenarbeit. Gerade punkto Fehlerkultur und auch in Bezug auf den idealen Einsatz der jeweiligen Einzelperson, ist ein im Sinne Ihres Textes ,vielleicht als negativ zu deutendes Maß an Verbundenheit den eigenen Mitarbeitern gegenüber ein absolut erfolgbringender Weg.

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