Impuls 139: Zwischen Kuscheln und Macht: So funktioniert Feedback

Der Mitarbeiter sitzt vor Ihrem wuchtigen Schreibtisch, die kühlen Hände im Schoß gefaltet. Die Sonne blendet ihn durchs deckenhohe Fenster hinter Ihnen. „Na“, leiten Sie jovial ein, „wie läuft’s denn so?“ Bevor die Denkpause zu lang wird, antwortet der Mitarbeiter zögerlich: „Äh, danke, ganz gut.“

Die Idee des Chefs war eigentlich, von seinem Mitarbeiter ein Feedback über die Zusammenarbeit im Team, zur Arbeit allgemein und zu seinem Führungsstil zu erhalten. Aber klarere Aussagen als dieser erste Kommentar kommen in diesem Feedback-Gespräch nicht mehr – wenn Sie es überhaupt so nennen können.

Auf Macht gepocht

Auch wenn es so falsch kaum ein Chef angehen wird, sind doch einige Kniffe notwendig, um als Chef solides Feedback von Ihren Mitarbeitern zu erhalten.
Ist eine Feedback-Situation falsch aufgebaut, erfährt der Chef auch bei aller Freundlichkeit und bei allem Entgegenkommen nichts über die Sorgen und Probleme im Arbeitsalltag seiner Mitarbeiter. Und auch die Information, was er – der Chef – verändern oder verbessern könnte, geht definitiv verloren.

Führungskräfte vergessen da scheinbar oft eine Erfahrung, die mit Sicherheit jeder Mensch gemacht hat: Mit ihren Sorgen und ihrer Kritik wenden sich doch am liebsten und am leichtesten an Freunde, an den Partner, an Menschen auf Augenhöhe. Da der Chef automatisch höher steht als seine Mitarbeiter, geht es also darum, bewusst von diesem Niveau auf das der Mitarbeiter herabzusteigen.

Solange der Chef aber beim Mitarbeitergespräch, vermutlich unbewusst, auf seine Machtinsignien – den Chefschreibtisch, den Lederstuhl oder auch den bei allen bekannten Chefsitzplatz am Besprechungstisch – besteht, kommt keine Augenhöhe zustande. Denn wenn die Macht des Chefs in der Luft liegt, teilt sich der Mitarbeiter nur eingeschüchtert mit. Etwas Kritisches wird er da kaum als Feedback geben.

Augenhöhe herstellen

Verstehen Sie mich bitte richtig: Mir geht es nicht um Mitarbeiter-Kuscheln, Wunschkonzert oder darum, den Kumpeltyp heraushängen zu lassen. Es geht darum, wie Sie als Führungskraft die ehrliche Meinung Ihrer Mitarbeiter erfahren – unverblümt und aufrichtig.

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit einem Feedbackbogen gemacht. Ich gebe ihn mehrmals im Jahr aus. Ihnen schließt sich immer ein Gespräch an, in dem ich meine Mitarbeiter frage, was bei meiner Leistung als Chef noch zur Bestnote fehlt. Mit Hilfe dieses Bogens trauen sich auch schüchterne Mitarbeiter, etwas Kritisches zu sagen, denn kaum einer gibt die Bestnote. Die Frage „Was fehlt zur Bestnote?“ ist die entscheidende Frage, um Kritikpunkte herauszukitzeln.

Kommunikation ohne Boss-Allüren

Entscheidend dabei ist, dass die Führungskraft das Feedback abholt – und zwar ohne jede Einschüchterung. Gehen Sie mit Ihrem Mitarbeiter in ein neutrales Besprechungszimmer oder in die Cafeteria. Oder treffen Sie ihn gleich in seinem Büro, falls das platztechnisch möglich ist. Bei Feedback- oder täglichen Mitarbeitergesprächen sitze ich durchaus auch mal neben dem Schreibtisch meiner Mitarbeiterin oder auf dem Papierkorb. Der Effekt, wenn die Insignien der Macht wegfallen und Sie auf Augenhöhe kommunizieren, ist spürbar: Die Anspannung lässt merklich nach und Sie erfahren Dinge, die Ihren Mitarbeitern sonst nie über die Lippen gekommen wären.

Wohlgemerkt: Es geht nicht darum, den Mitarbeiter auszutricksen, sondern ehrlich daran interessiert zu sein, was er braucht, um starke Leistungen zu erbringen. Und es geht darum, dass Sie als Chef die Informationen bekommen, die Sie brauchen, um Ihre Performance als Führungskraft zu steigern. Ohne Schulterklappen und Boss-Gehabe sorgen Sie für eine offene und ehrliche Kommunikationskultur, die echtes, wertbringendes Feedback ermöglicht.

Hier können Sie sich den Chef-Feedbackbogen gratis herunterladen und nutzen. Eine Bedingung: Erzählen Sie mir, wie es für Sie funktioniert hat. 😉

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