Impuls 128: Ich mach’ das!

„Weißt du was, ich hab die Kundenakquise jetzt komplett an zwei Mitarbeiter delegiert. Auf einmal habe ich richtig viel Zeit, mir Gedanken über die weitere Entwicklung meiner Unternehmensstrategie zu machen.“
“Naja, wart mal ab, bald wird es dich mehr Zeit kosten, hinter deinen beiden Mitarbeitern her zu sein, als dich selbst darum zu kümmern. Die Kundenakquise würde ich keinesfalls aus der Hand geben.“
„Also, ich denke, die werden das gut machen. Die haben schon ganz andere Aufgaben gemeistert.“

So eine verantwortungsvolle Delegation ist schon sehr gut, aber es brachte mich auf die Frage, wie sich das freiwillige Arbeitsengagement am wirksamsten steigern lässt. Wieso freiwillig? Nun, ich vermute, auch Ihnen sind die Mitarbeiter am liebsten, die Sie nicht erst für eine Aufgabe motivieren müssen, sondern die eine Aufgabe gern übernehmen und dann voller Tatendrang loslegen.

Freiwilliges Arbeitsengagement ist also, was Sie wollen und dazu habe ich eine interessante Studie gelesen. Prof. Dr. Hans-Werner Bierhoff vom Lehrstuhl Sozialpsychologie der Ruhr-Universität Bochum hat mit seinem Forscherteam herausgefunden, dass der wichtigste Faktor, über den freiwilliges Arbeitsengagement gefördert werden kann, die sogenannte Selbstwirksamkeit ist.

Das bedeutet, dass Ihr Mitarbeiter erlebt, dass seine Handlungen im Unternehmen eine Wirkung haben. Dann hat er einen Eindruck von seiner Selbstwirksamkeit. Nun geht es natürlich darum, diesem Mitarbeiter plausibel zu machen, dass seine Handlungen eine möglichst positive und gewollte Wirkung haben.

Dazu reicht es nicht aus, ihm ab und zu auf die Schulter zu klopfen und gut zuzureden: „Sie machen das schon!“ Zentral ist, dass er sich selbst dabei erleben kann, wie er seine Wirkung im Unternehmen entfaltet. Geben Sie ihm also ab und zu eine Aufgabe, die ihm gewissermaßen auf den Leib geschneidert ist und in der er richtig brillieren kann. Lassen Sie ihm in dieser Aufgabe möglichst freie Hand, damit er versteht, dass es tatsächlich er ist, der sie bewältigt hat.

Überhaupt ist das Übertragen von Verantwortung und Entscheidungsgewalt der Schlüssel für zufriedene und motivierte Mitarbeiter. Das funktioniert jedoch nur, wenn Sie selbst daran glauben, dass Ihre Leute das schaffen können, ohne dass Sie ihnen ständig auf den Füßen stehen.

Lassen Sie also Ihre Mitarbeiter ruhig mal selbst entscheiden. Seien Sie dabei aber ansprechbar in regelmäßigen Jour-Fixe-Gesprächen, damit sie sich Rückendeckung von Ihnen holen können, wenn sie unsicher werden. Bleiben Sie konsultierbar. Wenn dann ein Mitarbeiter mit der Frage kommt „Soll ich das so oder so machen?“, dann geben sie ihm die Frage zurück: „Was sind denn die Hauptfaktoren bei dieser Entscheidung? Wie schätzen Sie die Lage ein? Was würden Sie mir raten, wenn ich diese Entscheidung fällen müsste?“
So behalten Sie den Überblick und können sich überzeugen, ob der Mitarbeiter auf dem richtigen Pfad ist. Dann können Sie ihn wieder laufen lassen: „Dann machen Sie es so, wie Sie vorgeschlagen haben.“

Auf diese Weise werden Ihre Mitarbeiter bald viel mehr freiwilliges Arbeitsengagement zeigen und Sie werden Aufgaben nur noch anbieten, weil gleich einer ruft: „Ich mach’ das!“

Und erschrecken Sie nicht, wenn Sie im Tagesgeschäft auf einmal nichts mehr zu tun haben. Tun Sie einfach, wozu Sie schon lange nicht mehr gekommen sind.

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