Impuls 124: Neues Jahr – Neues wagen

Der Chef marschiert ins Konferenzzimmer und peilt zielstrebig den Platz neben der Leinwand an. Alles ist bereit für den Jahresrückblick. Aber irgendetwas ist komisch: Die Kollegen am anderen Ende des Raumes unterdrücken ganz offensichtlich – und sehr erfolglos – einen Kicheranfall. Die beiden Praktikanten blicken betreten zu Boden. Was ist denn nur geschehen?

Etwas Peinliches: Der Chef läuft mit offener Hose rum.

Und niemand in der Kollegenrunde traut sich, es ihm zu sagen. Vermutlich würden Sie sich ebenfalls zurückhalten, weil es auch für Sie peinlich wäre und Sie Ihren Chef zudem nicht lächerlich machen wollen.

Aber verhindern Sie mit dem Nichtssagen, dass ihr Chef bloßgestellt wird? Nein, er macht sich trotzdem lächerlich, denn er steht zwei Stunden vor versammelter Mannschaft mit offenem Hosenschlitz und wird zum Gespött. Und mal ganz ehrlich: Sie würden nicht den Mund halten, um ihm die Lächerlichkeit zu ersparen – sondern weil es bequemer ist und weil Ihnen selbst der Hinweis peinlich gewesen wäre. Stimmt’s?

Diese Denkweise ist gut gemeint, aber schädlich. Denn in so einer Situation ist es viel besser, sich zu überwinden. Unangenehme Dinge anzusprechen, fühlt sich zunächst unbehaglich an. Tatsächlich ist das Feedback darauf aber fast immer positiv und die angesprochene Person dankbar für Ihre Direktheit. Wenn Sie sich trauen, Ihre Freundin auf das Stück Petersilie in ihren Zähnen hinzuweisen, bleibt ihr nach der Mittagspause die Blamage im Büro erspart. Die Kollegin in der Probezeit lernt etwas dabei, wenn Sie ihre Arbeit ehrlich beurteilen, anstatt ihr nur zu schmeicheln und sich beliebt zu machen.

In Seminaren weise ich regelmäßig Teilnehmer darauf hin, dass Ihr Gürtel viel zu lang ist, die Schuhe alt und dreckig sind oder eine Bluse fürs Business zu wenig zugeknöpft ist. Und ich freue mich, wenn bei der nächsten Begegnung die Kleidung angemessen ist. Es lohnt sich also, wenn Sie über Ihren Schatten springen und etwas Neues versuchen, etwas Ungewohntes ausprobieren.

Dabei geht es jedoch nicht nur darum, was die anderen denken, sondern dass Sie den ungewohnten Vorstoß für sich selbst wagen.

Warum? Weil es Ihnen guttut!

Wenn Sie in solchen Momenten couragiert genug sind, den Mund aufzumachen – prima. Aber wie steht es um Ihre Wünsche und Träume? Gehen Sie diese auch aktiv an?

Stellen Sie sich vor, Sie lernen seit vier Jahren eifrig Gitarre und fühlen sich jetzt so fit, dass Sie unbedingt in einer Band mitspielen wollen. Aber da gibt es Ihre Familie, die ihre Zeit beansprucht. Ihr Managerjob fordert viel Engagement und Aufmerksamkeit. Zudem sind Sie noch Fußballtrainer und die E-Jugendmannschaft verlässt sich auf Sie. Und jetzt?

Viele Menschen würden ihren Wunsch hinten anstellen, weil „das Leben“ eben anderes von ihnen fordert. Seine verschiedenen Rollen zu erfüllen, ist auch notwendig. Manchmal ist es jedoch besonders wichtig, sich in den Vordergrund zu drängen. Selbst wenn Sie sich zeitweise unbeliebt machen.

Denn Sie müssen es nicht jedem recht machen, sondern in erster Linie sich selbst. Probieren Sie etwas Neues, das Sie noch nicht können und an dem Sie wachsen: Spielen Sie in einer Band – auch wenn Sie dabei vielleicht nicht ganz so erfolgreich sind. Wenn Sie Ihre Träume realisieren, sind Sie doch ein viel ausgeglichenerer Vater, Manager und Fußballtrainer. Und das gilt natürlich auch für Frauen, die sich beim Fotokurs verwirklichen, beim Yoga abschalten oder nach zehn Jahren endlich den Motorradführerschein machen.

Mein Tipp: Erstellen Sie für das kommende Jahr keine endlose Liste konkreter Vorsätze vom Abnehmen bis zum Sparen, die Sie dann wahrscheinlich doch nicht einhalten. Probieren Sie Neues aus, auch wenn es manchmal unangenehm ist. Begeben Sie sich bewusst aus Ihrer Komfortzone heraus und schauen Sie nach, was in der Überforderungszone auf Sie wartet. Ich kann Ihnen versprechen, Sie werden persönliches Wachstum finden. Denn selbst wenn Sie auf dem Weg zum Ziel manchmal scheitern, erreichen Sie dadurch einen großen Gewinn: Sie lernen sich und Ihre Grenzen kennen und bereichern Ihr Leben durch neue Erfahrungen.

Mut zahlt sich aus! Denn wer sich überwindet und Dinge tut, die er noch nicht kann, zahlt damit automatisch auf das Konto seines Selbstbewusstseins ein und die eigenen Träume verwirklichen macht doch deutlich zufriedener.

Also ich habe mir schon mehrere Ideen und Projekte zurechtgelegt, mit denen ich mich im nächsten Jahr absichtlich überfordern werde. Ich freue mich darauf!

Und auch Ihnen wünsche ich für das neue Jahr, dass Sie die Herausforderungen mit offenen Armen annehmen und sich sogar bewusst neue Herausforderungen schaffen.

One thought on “Impuls 124: Neues Jahr – Neues wagen

  • Von Helmut - Reply

    Auch ich starte 2016 ein Projekt mit dem ich meine Komfortzone komplett verlasse http://www.facebook.com/chantalletupperparty LG aus Wien und danke für den Beitrag er bestärkt mich darin den für mich richtigen Weg zu gehen.

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