Impuls 114: Zuwanderung – eine Chance!

In Hamburg begegnete ich einer Flüchtlingsfamilie mit zwei kleinen Kindern. Genau wie meine eigene Familie – nur mit anderer Hautfarbe und anderer Herkunft.

Ich fing an nachzudenken. Wer steckt hinter dieser Familie? Was bewegt diese Menschen dazu, aus ihrem eigenen Land zu fliehen – ihrer Heimat? Sie haben vermutlich viel Leid erlebt. Sie haben sich möglicherweise in ein überfülltes Schlauchboot gesetzt und sind über das Mittelmeer nach Europa gekommen. Unglaublich! Ich kenne niemanden, der das tun würde. Wieso sollte das auch jemand in Deutschland tun?

Wie viel Mut hat diese Familie wohl aufgebracht, in ein völlig neues Land zu reisen, von dem sie so gut wie nichts kennt? Vielleicht wissen sie, dass sie in Deutschland ohne Todesangst leben und Geld verdienen können. Aber sie wissen sicher nicht, was sie genau erwartet. Es war eine Reise ins Ungewisse, in eine vermeintliche Sicherheit. Sie hatten den Mut, ihre Angst vor Neuem zu überwinden.

Wie oft sind Sie mutig? Wie oft besiegen Sie Ihre Angst? Müssen Sie und ich überhaupt noch Mut aufwenden? Wir leben in einer starken Wirtschaftsnation, gehen zumeist einem geregelten Alltag nach, leben in sozialem Wohlstand. Es besteht für die meisten Deutschen gar kein Druck, sich mutig in neue Situationen zu stürzen.

Okay, ein paar Menschen suchen regelmäßig den Nervenkitzel, indem sie Fallschirmspringen oder andere Extremsportarten machen. Aber das meine ich nicht.

Ich denke eher an die deutsche Gesellschaft und Wirtschaft: Wie oft bewegen sich die Deutschen noch aus ihrer Komfortzone heraus und treffen mutige Entscheidungen, die sie persönlich weiterbringen könnten? Meiner Meinung nach tun wir das viel zu selten.

Gerade auch beim Thema Flüchtlinge: Eine pauschalisierte Skepsis hemmt viele Menschen, Flüchtlingen offen gegenüber zu stehen. Die Medien fördern mit der Berichterstattung zusätzlich die Angst vor den „Unbekannten“. Doch Angst ist sowohl im Privaten als auch im Unternehmenskontext ein wertvoller Indikator: Sie zeigt Ihnen an, was für Sie von Bedeutung ist. Wenn wir Menschen Angst vor etwas haben, dann liegt in der Überwindung der Angst und unserem Handeln unsere persönliche Wachstumschance. 

Genau deshalb haben wir auch Angst vor der Zuwanderung. Sie ist bedeutend für Deutschland und vielleicht auch für Sie persönlich. Es ist eine neuartige Situation für alle. Aber Angst können Sie auch positiv für sich und ihre Umwelt nutzen. Sie hilft Ihnen, genauer hin zuschauen, zu analysieren und bewusster zu agieren.

Ein junger Mann, der bewusst gehandelt und einen neuen Weg eingeschlagen hat, ist Markus Kreßler. Der Jungunternehmer gründete zusammen mit 50 Mitstreitern die Kiron University und bietet Online-Kurse für Flüchtlinge an. Die Uni bietet weit mehr an als Studiengänge und Sprachkurse – es gibt dort alles, was Flüchtlinge brauchen, um sich nachhaltig in die Gesellschaft zu integrieren. Eine klasse Projekt und eine guter Ansatz.

Markus Kreßler hat die Chancen erkannt, die uns die Zuwanderung unter anderem bieten kann. Zumeist haben diese Menschen viel Power, einen starken Willen, sind jung, zielstrebig und viele von ihnen sind hoch qualifiziert. Wäre das nicht auch ein Teil der Lösung für den Fachkräftemangel in Deutschland? Vielleicht könnten wir so teilweise die Engpässe bei etwa Ingenieuren, IT-Spezialisten und auch Facharbeitern verringern und damit die Kraft vieler Unternehmen stärken.

Und am Arbeitsmarkt gewinnen immer diejenigen den Kampf um Stellen und interessante Herausforderungen, die flexibel sind – geistig und auch räumlich – und die, die sich weiterbilden und qualifizieren.

Meine Bitte: Schauen Sie einmal genauer hin, wenn Sie das nächste Mal einem Flüchtling begegnen. Überlegen Sie, wie mutig er war und sprechen Sie ihn vielleicht auch mal an. Verurteilen Sie diese Menschen nicht pauschal, sondern versuchen Sie auch das Positive zu sehen. Klar, gibt es schwierige Aspekte bei der Zuwanderung. Aber jeder Mensch, auch Sie, können ein kleines Stück dazu beitragen, die Vorurteile über Flüchtlinge abzubauen und sie als Bereicherung zu sehen.

Und eine Bereicherung können uns die Flüchtlinge auf Anhieb geben: Sie sind mutig und suchen nach neuen Chancen im Leben. Das ist kein Muss. Aber jeder, der sich eine Verbesserung wünscht, der kann sie heute noch selbst anpacken.

Schreiben Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.