Impuls 106: Wer ist Dieter Hecking? Oder: Von Wolfsburg lernen

“Wie heißt der Trainer von Wolfsburg?” frage ich meinen Schwiegervater, als wir am Samstag zusammen das Pokalfinale gucken.

Er weiß es auch nicht. 

Ok, wir sind offensichtlich beide keine Bundesliga-Experten. 

Aber auch nicht Fußball-Interessierte kennen Pep Guardiola oder Jürgen Klopp.

Dieter Hecking ist ein Bundesliga-Trainer der ruhigeren Sorte und trotzdem sehr erfolgreich. 

Ein guter Grund für mich, um zu recherchieren, wie Dieter Hecking seine Truppe führt.

Und was ich finde, zeichnet ein interessantes Bild. 

Im Interview spricht er, selbst wenn er direkt gefragt wird, nicht über sich, sondern über seine Spieler. 

Er ist bodenständig, nimmt sich selbst nicht so wichtig wie die Mannschaft. DIE ZEIT online, Februar 2015:

http://bit.ly/1ESB5Pq.

 

Hecking ist ein klassischer Ego-Parker, der seine Spieler auch kritische Fragen stellen lässt.

Und trotzdem hält er das Zepter doch in der Hand.

Das muss auch so sein bei einem Bundesliga-Trainer, der beeinflussen und seiner Verantwortung gerecht werden will. 

Eine Bundesliga-Mannschaft ist schließlich kein Debattierclub – erst recht nicht auf dem Spielfeld.

 

Ist  das Ego parken wirklich die Lösung?

 

Und doch beginne ich zu zweifeln:

Muss man wirklich sein Ego parken, Verantwortung abgeben oder muss man einfach der Leitwolf sein, der sich das Zepter nicht aus der Hand nehmen lässt?

In der aktuellen Ausgabe des manager magazins geht man der Frage auf den Grund. Hier werden verschiedene „Anführer“ von DAX-Unternehmen und ihr Führungsstil unter die Lupe genommen.

Interessanter Artikel. Denn, laut einer Analyse der TU Dortmund ist der Führungsstil des CEO noch wichtiger für den Erfolg eines Unternehmens als die schon sehr wichtige Strategie. 

Ich glaube, manchmal kann es funktionieren, wenn ein CEO alles auf sich zuschneidet, in Schlüsselpositionen nur enge Vertraute etabliert und Kritiker aus dem Unternehmen verbannt.

Die Gefahr dabei ist jedoch, dass ein dominierender CEO vielleicht eine Weile das richtige Händchen hat. Doch was ist, wenn auch er und seine Kumpanen die wirtschaftliche Lage oder Trends falsch einschätzen und falsche Entscheidungen treffen?

Dann sieht es für das Unternehmen düster aus.

Wer mich kennt, weiß, dass Ich ein großer Verfechter des EGO-Parkens bin. 

Ich finde, CEOs sollten Mehr-Hirn-Denken einfordern und kritische Stimmen offen anhören, um dann noch besser abgewogene Entscheidungen zu treffen.

Oder finden Sie, dass ist Zeitverschwendung?

Schließlich ist Zeit auf allen Ebenen knapp, also erst recht bei den Unternehmenslenkern.

Also, ist es vielleicht doch eine gute Idee, nicht so viel herum zu diskutieren und lieber mit der eigenen Meinung zu dominieren?

Das Aktiengesetz verbietet offiziell eine solche Alleinherrschaft, wie es ansatzweise bei der Deutschen Post oder Siemens der Fall sein soll. Offiziell ist also ein kritischer Diskurs Pflicht.

Wie viel Verantwortung ein Anführer aber tatsächlich teilt, ist vom Gusto des Chefs anhängig.

Welche Art Mitarbeiter und welche Denkstile von diesem dann ins Team gezogen werden, ist damit aber auch vorprogrammiert.

 

Einwand: Demokraten kommen nicht an die Spitze!

 

Viele sagen: Um nach ganz oben zu kommen, muss man doch ein Machtmensch sein, der sich mit starkem Ego durchsetzt.

Ein Unternehmen kann ja kein Weichei an der Spitze gebrauchen.

Ich bin überzeugt: Es kommt darauf an, dass der Wertekanon des Chefs solide ist.

Denn in einer Zeit der Kopfarbeit, in der nur die Kreativität und das Engagement vieler den Erfolg bringt, braucht es auch eine Kultur der Entfaltung und Wertschätzung von Vielfältigkeit und freier Meinungsäußerung. Eine solche Kultur herrscht vor, wenn der CEO auf dem Teppich bleibt – bodenständig eben wir ein Dieter Hecking. Der hat mit seiner Mannschaft die Bayern diese Saison überzeugend 4:1 geschlagen und gegen Dortmund den DFB Pokal geholt. Mal sehen was die nächste Saison bringen wird.

Am Ende zählen immer die Ergebnisse. 

Frei nach dem Motto: Wenn es funktioniert, ist es gut, nicht wahr?
Die Frage, die sich mir stellt ist jedoch, ob Marge, Wachstum und Aktienkurse als Gradmesser fürs Funktionieren reichen.

Was meinen Sie? 

In was für einem Unternehmen möchten sie gern arbeiten?

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