Strategisch denken

Impuls 100: Bleibt zu Hause, Ihr Strategen!

Eins der drei Hauptprobleme von Führungskräften heutzutage: zwischen Meetings und E-Mails ist zu wenig Raum für strukturierte, konzeptionelle, strategische Gedanken. Wir müssten uns zwar regelmäßig diese wichtige Zeit nehmen. Aber es liegt einfach zu viel Brennendes auf dem Schreibtisch. Woher sollen wir uns die Zeit nehmen, wenn nicht stehlen?

Eine Möglichkeit der Zeitersparnis bietet das Arbeiten von zuhause aus und von unterwegs. 
Seit der breitflächigen Einführung von Laptops und Firmenhandys vor rund 20 Jahren haben Führungskräfte ihre E-Mails immer griffbereit und können sie überall und jederzeit bearbeiten.

Aber nutzen sie diese Zeit auch für strategische Überlegungen? 
Nutzen sie diese Möglichkeit auch dazu, sich IN RUHE notwendige, konzeptionelle Gedanken zu machen? 
Viele tun das!
Und viel zu viele leider nicht.  
Die Welt: http://bit.ly/1wZw3Uv

Ist ja klar, wenn Führungskraft schon super viel zu tun hat, dann nutzt sie die gewonnene Zeit auf Flughäfen, am Wochenende und nach dem Abendessen dazu, die wichtigsten brennenden E-Mails der Kollegen, Kunden und Mitarbeiter zu beantworten.

 

Schlechtes Gewissen durch E-Mail-Verzicht? 

Und wenn eine Führungskraft sich zu einem halben Tag Homeoffice durchringt, dann führen vier Stunden keine E-Mails zu beantworten schon zu einem schlechten Gewissen.
Dabei ist es tödlich für tiefgreifende, sinnstiftende Gedanken, von E-Mails oder Anrufen zum Tagesgeschäft unterbrochen zu werden.

Lynda Gratton von der London Business School schreibt im Harvard Business Manager Sonderheft diesen Monat über die Entwicklung unser Arbeitskultur in den letzten 35 Jahren.
Ihre Quintessenz: Wir sind flexibler geworden. Wir arbeiten im Homeoffice, im Coworking-Center oder bei Starbucks in der Kaffeelounge.
Wissensarbeit kann von überall aus erbracht werden:

 

 

Als ich noch als angestellter Manager im Marketing bei Unilever arbeitete, wusste ich das bereits – und hab’s … viel zu selten genutzt.
Heute nehme ich mir meine Auszeiten um zu lesen und um zu schreiben meistens im Zug oder im Meetingraum im Büro, ohne die Ablenkung meiner Mitarbeiter, für deren Fragen ich viel zu gern da bin.

Wir wissen alle bereits, dass sich temporär auszuklinken ein Erfolgsfaktor ist, der uns produktiver arbeiten lässt.
Das nutzen wir schon vielfach.
Aber nutzen wir es auch, um eine Pause einzulegen, um strategisch zu denken? 

 

Unter der Dusche klappt’s am besten

Vor Jahren bekam ich in einem sehr guten Training einmal den Tipp: 
“Finde Deine Ideeninsel!”
Finde einen Ort, an dem Du nicht abgelenkt wirst.
Und dann nutze diesen Ort, um entspannt wertvolle Gedanken entstehen zu lassen.

Mein Raum für Ideen entsteht automatisch, wenn ich mit einem Buch oder Magazin ausgestattet, ohne zeitlichen Druck eines Folgemeetings, neue Gedanken aufnehme und dadurch angeregt eigene Gedanken entstehen lasse.
Wie ist das bei Ihnen?
Was ist Ihre Technik, Ihr Ort, der Sie kreativ werden lässt.
Man sagt ja, die besten Ideen hat man beim Duschen. Für einige Menschen ist das bestimmt so.
Denn in der Dusche ist man – häufig – entspannt, nicht unter Stress und plötzlich fliegt einem ein Gedanke zu, der eine Antwort auf eine wichtige Frage liefert.

Wo auch immer Sie kreativ sein können, es sollte ein Ort sein, der Sie entspannen lässt.

 

Kreativität auf allen Ebenen

Und Ihre Mitarbeiter?
Haben die Freiraum, um sich neue Gedanken zu machen?
Haben sie die Möglichkeit, das Büro für einige Stunden zu verlassen und entspannt und sich losgelöst vom Druck zahlreicher E-Mails und Telefonanrufe Gedanken zu machen?
Ist das bislang nicht der Fall und wenn Sie finden, dass dies für Ihr Team Sinn machen könnte, dann fordern Sie es ein.
Fordern Sie Ihre Mitarbeiter zum Beispiel dazu auf, einmal im Monat das Büro für einen Nachmittag zu verlassen. Ob das öfter oder seltener stattfinden soll, liegt in Ihrem Ermessen.  
Und hinterher lassen Sie sich im Team-Meeting berichten, für welche Gedanken Ihre Mitarbeiter diese Kreativpause nutzen. 
Daraus lernen Sie und entwickeln dieses Modell für sich und Ihr Unternehmen passend weiter.

 

Immer dieser neumodische Kram!

Die Personalexpertin und Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen sagt: “Ein Drittel aller Führungskräfte ist skeptisch, 15 sind echte Verweigerer, die Hälfte aller Führungskräfte aber begegnet den Veränderungen unserer heutigen Arbeitswelt positiv.” 
Marissa Mayer, CE von Yahoo, hingegen machte im vergangenen Jahr negative Schlagzeilen, weil Sie Homeoffices wieder abschaffte, um mehr Kreativität im Team entstehen zu lassen. 
Handelsblatt: http://bit.ly/1AEa6X7

Alles Vor- und Nachteile. 100% Homeoffice sind genauso wenig die optimale Lösung wie 100% Büro-Anwesenheitspflicht. 
Es gibt hier kein richtig oder falsch.
Die Frage ist, was das Geschäft braucht und auf welche Weise exzellente Mitarbeiter für ein Unternehmen gewonnen werden können – das ist sicherlich individuell verschieden.
Denken Sie doch in Ihrer nächsten Kreativpause einmal darüber nach, was Ihrer Firma gut täte.

Im Moment geht der Trend der flexiblen Arbeitszeit-Gestaltung auf jeden Fall weiter. 
Nutzen wir ihn bewusst und pro-aktiv für unsere eigenen Arbeitsergebnisse und für die unserer Teams!

One thought on “Impuls 100: Bleibt zu Hause, Ihr Strategen!

  • Von Thomas Wieland - Reply

    I couldn´t agree more. Problem: kreative Leistungen werden häufig in der heutigen Welt nicht bezahlt, da sie von ihrem Wesen her nicht linear sondern musterwechselnd arbeiten. Damit sind sie nicht einem (kurzfristigen) Effizienzdenken unterworfen, sondern zukunftsgerichtet/kundenorientiert. In der heutigen Konsum-/Finanz-/Egokultur sind sie gewissermaßen das Gegenmodell.

    Mir begegnet das Thema auch immer wieder im Interimsmanagement. Meist geht es vordergründig um Geld, ohne kreative Kundenangebote allerdings keine langfristige Lösung. Daher ein steter Mismatch: was bezahle ich für CFO ( nicht vorhandenes Geld wird umverteilt ) oder wie richte ich ein Unternehmen durch ein kreativer Business-Model neu aus? Für ersteres wird gern viel bezahlt, für zweiteres dauert es lange, bis überhaupt eine Sensibilität vorhanden ist…

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