Impuls 91: Mehr-Hirn-Denken hilft

55 Management-Experten erklären im aktuellen Harvard Business manager SPEZIAL, wie wir die Welt voran bringen, Frage 35: http://bit.ly/12gyzHw
Die Ansätze sind teilweise innovativ, teilweise klassisch.

Fast alle sind extrem spannend und auf jeden Fall lesenswert.
(Übrigens haben die Autoren die Tipps für uns viel beschäftigte Führende kurz und knackig auf je einer knappen halbe Seite beschrieben.)

Die strategischen Ansätze drehen sich zum Beispiel um das Abschaffen der Matrix-Organisation, persönliche Visionen von Führungskräften.

Mich persönlich hat besonders ein für die tägliche Führungsarbeit klassischer Kommentar angesprochen.
Darin fragt Georg Vielmetter, Regional Director und Partner bei der Hay Group: “Hören Sie wirklich und aufrichtig zu?”.


Führen … oder Zutexten und alles selbst entscheiden

Ich liebe das Thema Zuhören!
Vor allem, weil in Führungskräfte-Trainings immer alle sofort nicken und sagen “Jaja, kennen wir schon.”
Und wie läuft es bei Ihnen in der Praxis mit dem Zuhören?
“Kennen Sie das oder können Sie das?” Diese berechtigten Frage habe ich von meinem Kollegen und Freund Alexander Groth: http://bit.ly/15YOrjT

Wenn ich in meinen Trainings vor einer Übung behaupte “Zwei Drittel von Ihnen wird es nicht gelingen, im Dialog mit einem gespielten Mitarbeiter einen ausgeglichenen Gesprächs-Anteil zu erreichen.”, dann gucken alle komisch.
Leider habe ich mit dieser Behauptung öfter recht als mir lieb ist.
Einige reißen sich durch meine Provokation mehr am Riemen, aber nur wenige Führungskräfte schaffen es im ersten Schritt tatsächlich.

Woran liegt das eigentlich?
Wenn wir in einem Dialog keine Fragen stellen, dann heißt das nichts anderes als dass uns die Meinung und Sichtweise des anderen nicht interessiert.
Unsere Meinung zu hören finden wir spannender.
Also, texten wir den anderen zu.
Und nehmen uns einen Gesprächsanteil von 80% – mal etwas weniger mal etwas mehr.

Nur: Wenn der Chef 80% der Zeit redet, macht er auch 80% der Arbeit.
Und der Mitarbeiter führt nur noch aus.
Nicht so spannend.
Nicht so motivierend.
Nicht so wertschätzend.
Und dann wundern wir uns, dass die Mitarbeiter, die so geführt werden, bei richtigen Herausforderungen nur nach oben schauen, statt selbst anzupacken.
Chefs, die viel selbst entscheiden und nur selten andere Meinungen einholen, ernten auch in schwierigen Zeiten – z.B. in Veränderungsprozessen – wenig Engagement der Mitarbeiter.

Wenn wir unsere Mitarbeiter zutexten, dann fördern wir diese Denke:
Lösungen?
Mitdenken?
Dafür sind doch die Chefs da. Wir sind nur Mitarbeiter.


Mutig sein. Lernen. Ernten

Sind Sie mutig?
Dann lassen Sie sich doch mal nach Meetings und nach Dialogen mit Mitarbeitern ein Feedback geben, wie hoch ihr Gesprächsanteil war – ohne zu sagen, was Sie sich vorgenommen haben oder was ich hier empfehle.
Regelmäßig.
Für Dialoge gilt: Das Ziel ist 50:50.
In Meetings spricht ein exzellenter Chef noch weniger: 10 bis 25% als Richtschnur sind gut.

Häufig wollen Mitarbeiter aber gar keinen höheren Gesprächsanteil.
Denn das heißt mehr Verantwortung und mehr Chance auf Fehler und entsprechende Kritik.
Das kann sein.
Vermutlich sind diese Mitarbeiter das nicht gewohnt.
Oder ein Chef hat es Ihnen aberzogen.
Höchste Zeit, dass wir unsere Mitarbeiter mehr fordern.

Für Führungskräfte, die noch dominieren, gilt es, ein zartes Pflänzchen aufzupäppeln.
Veränderung ist möglich.
Wenn wir wollen.
Veränderung tut aber auch immer weh.
Uns selbst und den anderen.
Auch wenn wir das nicht wollen.

Wenn Sie fette Ernte einfahren wollen, dann beteiligen Sie Ihr Team an der Denkarbeit.
Mehr-Hirn-Denken hilft.
Viel Erfolg dabei!

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