Impuls 88: Laut und effektiv

Langsam kehrt wieder Ruhe ein in Deutschland. Unser Laub ist fast überall fein säuberlich zusammengefegt.
Doch so friedlich und beschaulich war das Bild auf unseren Straßen in den letzten Wochen nicht.
Laubpuster blökten von überall her, wo früher einmal brave Bürger, den Besen schwangen.
Zum Entsetzen vieler Anwohner – zumindest derer, die selbst keine dieser Krachmaschinen besitzen.

Laubbläser sind so beliebt wie nie.
Sogar meine Frau wollte so ein Ding schon kaufen. Und vielleicht werden wir das im nächsten Jahr sogar tun … vielleicht aber auch nicht.

Was aber jeder zugeben muss: Die Dinger arbeiten effektiv, trotz aller Aufregung!
Die pusten alles weg.
Gründlich. Und Schnell. Richtig schnell.

 

Führungskräftetraining: Laut und effektiv – geht das zusammen?

Von dieser Effektivität tagträumt auch so manche Führungskraft, wenn sie ihren Mitarbeitern die Meinung sagt oder sie wegen eines Fehlers lautstark kundtut, was der Mitarbeiter ohnehin schon weiß.

Da fliegen Fragen durch den Raum wie
“Was glauben Sie, wofür ich Sie bezahle?”
“Was haben Sie sich denn dabei gedacht?”
“Wie konnte das denn passieren?”

ABER: Kein Chef möchte eine Antwort auf diese Fragen.
Die Aussage ist eine andere:
“Ich halte Dich für unfähig und jetzt beweise ich Dir, dass Du unfähig bist!”

Sicherlich handelt es sich bei solchen Aussagen eher um impulsive Reaktionen.
Trotzdem geschieht diese Art der Kritik bei vollem Bewusstsein der Führungskräfte.
Keine gute Idee, finde ich.

Respektvoller Ton?
Fehlanzeige.
Ich nenne das “Kritisieren im Monolog“.
Auf wen würde das respektvoll wirken?
Wenn der Mitarbeiter nicht das Wort ergreift, geht er mit einem Gesprächsanteil von weniger als 10% aus so einem „Gespräch”.

 

Die Konsequenz: Mitarbeitermotivation?

Was meinen Sie wird der Mitarbeiter sagen, wenn er aus so einem Termin kommt?
“Oh, der Chef hat mir die Meinung gesagt, und er hat recht. Ich sollte das nächste Mal wirklich besser aufpassen. Das werde ich auch tun!”
oder eher …
“Dieser Großkotz hat wieder an mir seine schlechte Laune ausgelassen. Als ob ich den Fehler nicht schon selber bemerkt hätte und mich darüber ärgere.“

Das können wir Führungskräfte doch besser!
Mein Tipp:
Die Worte konfrontieren, der Ton macht es erträglich.

Lassen Sie den Mitarbeiter sprechen.
Lassen Sie ihn über seinen Fehler sprechen.
Fragen Sie ihn nicht, wie der Fehler passiert ist, dafür gibt es immer Gründe.
Fragen Sie ihn nach den negativen Konsequenzen:

“Wenn der Kunde x das so sieht, was wird der wohl denken oder sagen?”
oder
“Angenommen, Du wärst jetzt der Kunde, was würdest Du denken oder sagen?”

Das Gute an dieser Art der Gesprächsführung:
Der Mitarbeiter erkennt seinen Fehler in einer höheren Intensität selbst.
Die beiden genannten Fragen allein reichen aus.
Der Mitarbeiter denkt die Antwort – und spricht sie dann auch noch aus.
Das ist ein viel größerer – innerer – Anschiss als das Gebrüll des Chefs.

Außerdem haben Sie einen ausgeglichenen Redeanteil.
Sie haben keinen Monolog, sondern einen Dialog.
Das ist wertschätzend.
Und schmerzhaft für den Mitarbeiter, da es um seinen Fehler und die negativen Konsequenzen des Fehlers geht.

Und das ist gut so, dass es schmerzhaft ist, denn Menschen verändern ihr Verhalten, weil sie Schmerz vermeiden wollen.
Also fügen Sie ihnen Schmerz zu.
Aber Achtung: bitte wertschätzenden Schmerz.

Der Effekt:
Der Mitarbeiter ändert sein Verhalten.

Und falls Sie die Veränderung bezweifeln, noch einen Tipp:
Vereinbaren Sie einen Folgetermin.
Sagen Sie nicht “Wir schauen uns das noch mal in zwei Wochen an“,
sondern tragen Sie den Termin mit Datum, Uhrzeit und Ort im Kalender ein.

Das wirkt.
Im Folgegespräch gibt es dann Lob für die Fortschritte – auch so was wünschen sich Mitarbeiter – und Schmerzen für die Nicht-Erfolge.
Solange bis das Verhalten sich wie gewünscht verändert.

Ist das zeitaufwändig? Ja!
Aber wenn Sie effektiv sein wollen, dann benötigen Sie einen Verstärker – wie die Fragen und den Folgetermin.
Laut werden hilft da nur scheinbar.

Weitere Tipps auf Karriere.de: http://bit.ly/1vlE18r

Ich wünsche Ihnen unangenehme und wertschätzende Gespräche!

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