Wie Sie sich zum Erfolg scheitern

Mist, unter der Motorhaube quillt Rauch hervor! Dann stirbt er mit einem letzten Seufzer komplett. Die Frau steigt aus ihrem Oldtimer und stöckelt zur Motorhaube. Sie hat das Handy schon in der Hand, als – nein, sie ruft jetzt nicht den ADAC!

Ihr Vater hatte immer gesagt: „Kind, probier erst mal selbst, bevor du gleich aufgibst!“ Sie bekommt das schon hin. Sie streift die glitzernden Armbänder ab, konsultiert Google und werkelt los.

15 Minuten später erwacht der Motor stotternd zu neuem Leben. Sie fährt weiter und zack, bleibt der Wagen wieder liegen. Naja, immerhin hat sie es bis zur nächsten Werkstatt geschafft – mit Ölflecken auf dem Rock, auf der Bluse und auf den Echtleder-Highheels.

„Hahaha!“, denken Sie jetzt wahrscheinlich. Aber stopp! Ich kann die Dame nur zu der Aktion beglückwünschen. Klar, der Rettungsversuch war nicht dauerhaft erfolgreich, aber die Autofahrerin hat durch ihren Selbstversuch etwas gelernt: Sie hat nicht aufgegeben, hat auf sich vertraut und darf stolz sein auf ihren Teilerfolg.

Sehen Sie’s doch mal so …

Warum nur sehen Menschen immer bloß das, was schiefging? Belegt ihre Fußballmannschaft den zweiten Platz im Turnier, schimpfen sie noch Stunden später über den Schiedsrichter, der einen unberechtigten Elfmeter für den Gegner vergeben hat, der Depp?

Lehnt der Kunde nach ihrer Präsentation Ihr Angebot ab, spucken sie noch Tage später Feuer und sind stinkwütend auf sich selbst, weil sie so an den Wünschen des Kunden vorbeigeschossen sind?

Und wenn sie beim Mountainbiken zwei Kilometer vorm Berggipfel keinen einzigen weiteren Tritt in die Pedale mehr hinkriegen und Krämpfe haben, sind sie dermaßen frustriert, dass Sie sich als der letzte Schwächling fühlen?

Klar, das geht mir auch manchmal so. Aber trotzdem sehe ich die gute Seite an diesen Dingen. Die Fußballmannschaft ist jetzt total angefixt, nachdem sie so knapp am ersten Platz vorbeigeschrammt ist, und kämpft im nächsten Turnier noch härter.

Sie wissen nun besser, was der Kunde will, und können ihm das nächste Projekt auf den Leib schneidern. Und aus dem unerreichten Gipfel beim Mountainbiken zieht ein guter Radler die Motivation, stärker an seinem Muskelaufbau zu arbeiten. Er will schließlich auf den Gipfel!

Scheitern ist keine graue Theorie

Scheitern an sich ist also gar nichts Schlimmes. Im Gegenteil: Ich finde, mehr Menschen sollten bewusst und absichtlich scheitern. Dann können sie sich mit einer ehrgeizigen und unverkrampften Einstellung an neue Herausforderungen machen und lernen vielmehr aus ihren Fehlern und Misserfolgen.

Ich bin sogar überzeugt: Sie lernen schneller als jeder, der seine Erfahrungen nur aus angestaubten Büchern und Ratgebern bezieht. Denn wer sich traut, sammelt echte Erlebnisse – und die bleiben um ein Vielfaches markanter im Kopf als jede Theorie. Außerdem wird mit dieser Einstellung jedes Scheitern zum Ansporn, es beim nächsten Mal noch besser zu machen.

Und mal ganz ehrlich: Wer sich traut, zu scheitern und Fehler zu machen, der probiert etwas Neues aus! Der ist nicht derjenige, der immer nur vorsichtig abwartet, oder der stumme Zuseher, während andere vorankommen. Dass er sich traut, es selbst anzugehen, zeugt von Größe und wird belohnt: Er wächst an der Aufgabe.

Der Stolz der Überforderungszone

Neues auszuprobieren, ist ohne Frage immer eine Herausforderung. Je größer die Aufgabe, desto eher wird sie sogar zur Überforderung! Ich verspreche Ihnen: Es lohnt sich trotzdem, sie anzupacken!

Vielmehr noch: Wagen Sie sich doch mal absichtlich in Ihre Überforderungszone. Nehmen Sie Aufgaben an, die Ihnen furchtbar schwer erscheinen, die Sie einschüchtern, die Ihnen vielleicht auch Angst machen. Denn Sie werden daran unglaublich schnell wachsen – selbst wenn Sie scheitern.

Auf diese Weise bauen Sie Ihre eigenen Fähigkeiten aus – oder entdecken gleich ganz neue – anstatt sich stets auf andere zu verlassen, die es schon können. Die Belohnung für die Mühe ist eine ganz neue Art von Stolz: der Stolz, die Aufgabe selbst gewuppt zu haben!

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich selbst überfordern und diesen Stolz empfinden. Denn der Weg zum Erfolg führt keine kerzengerade Leiter hoch. Es gehört dazu, ab und zu auszurutschen oder gar runterzufallen.

Ich bin ganz sicher: Diejenigen, die runterfallen und sich mit neuer Tatkraft und Erfahrung wieder ans Erklimmen der Erfolgsleiter machen, sind immer noch schneller oben als die, die jede Stufe penibelst und übervorsichtig prüfen, bevor sie einen Fuß draufsetzen.

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